Variationen der Welt

Die Variationen sind höchstwahrscheinlich die ursprünglichste Form des Musizierens. Noch bevor die Musikerkollegen von früher, die keinerlei konventionelle musikalische Ausbildung hatten, komplexe Musikformen und Strukturen wie Sonate, Suite usw. erfanden, sogar bevor die einfachste Liedform mit Strophe und Refrain existierte, haben sie die Variationsform bereits ausgeübt.

Die Geschichte der Variationen geht ganz tief in die Vergangenheit, als unsere Urmütter und Urväter entdeckt haben, dass man musikalische Töne, mit welchen Mittel auch immer (getrommelt, gesungen), erzeugen kann. Gleichzeitig war das die Geburt der improvisierten Musik. Der Unterschied zwischen Improvisation und Variation besteht darin, dass die Erste ein vorgegebenes Thema haben kann, aber nicht muss, und die Zweite etwas Handfestes besitzen muss, was man variieren kann. Außerdem versteht man unter Improvisation aus dem Stegreif, also spontan gespielte Musik, dagegen Variationen meistens zuerst komponiert werden müssen.

Die Musikgeschichte kennt viele verschiedene Variationsarten. So hat man z. B. in Renaissance und Barock oft eine Form praktiziert, die auf basso ostinato basiert. Dabei werden zu einer sich ständig wiederholenden Basstonfolge immer neue Melodien gespielt, dabei spielt das Hauptthema keine große Rolle.

Die am meisten verbreitete Art sind die Variationen auf vorgegebene Harmonie, also eine abgeschlossene Reihe von Akkorden, auch Chorus genannt. Diese Art war sehr beliebt in jeder Kunstepoche, einschließlich heutige. Die Jazzmusiker haben diese Variationsform als Grundlage für die Improvisation übernommen.

Es gibt aber auch eine Art, wo hauptsächlich der Rhythmus variiert wird, wie z. B. in der Flamencomusik. Die Flamencoformen haben sehr ausgeprägte Rhythmen (compás) mit obligaten Betonungsmustern. Die Herausforderung für einen Flamencomusiker besteht darin, Rhythmus in Begleitung und Melodieverlauf immer wieder neu und interessant zu gestalten, ohne den Betonungsskelett zu stören und zu ändern.

In diesem Programm versuche ich möglichst breites Spektrum der Variationskunst darzustellen, damit die Zuhörer für eine Weile eintauchen können in die wunderbare und vielfältige „Welt der Variationen“.